Monat: Oktober 2016

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Modul im Fokus: System Dynamics – Modellierung und Simulation

 

Wir haben uns mit Frau Professor Dr. Meike Tilebein getroffen und ihr einige Fragen zum Modul System Dynamics – Modellierung und Simulation gestellt.

(Zum Videointerview geht es hier oder durch einen Klick auf das Bild unten)

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Video-URL: https://innovative-entrepreneurship.de/wp-content/uploads/2016/10/system_dynamics_2016-mie-prof_dr_meike_tilebein.mov

Nachfolgend finden Sie ein Transkript des obigen Videos.

Was sind die wesentlichen Inhalte des Moduls?

System Dynamics, das ist eine Methode, die in den 50er Jahren am MIT (Massachusettes Institute of Technology, Anm. d. Red.) erfunden wurde, die auch genutzt wurde, um diesen berühmten Bericht an den Club of Rome – Die Grenzen des Wachstums –  zu erstellen. Da war ein Simulationsmodell Basis für diesen Bericht an den Club of Rome und wir wollen in diesem Modul diese Methode erlernen und uns die Sachverhalten ansehen, die besonders spannend für Entrepreneurship & Intrapreneurship sind in diesem Zusammenhang.

Welche Kompetenzen werden in dem Modul vermittelt?

Was können die Studierenden, wenn das Modul absolviert wurde? Ich glaube, eine ganz wichtige Kompetenz besteht darin, wirklich Systeme zu sehen in Sachverhalten. Nämlich zu erkennen, „Dieser Sachverhalt passt auf diesen Archetyp“ und dann auch natürlich, diese Dinge modellieren zu können, sei es als Kausaldiagramm aufmalen zu können und dann auch zu wissen, „Da gibt es diese und jene Eingriffsmöglichkeiten um dieses unerwünschte Verhalten zu ändern oder auch unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden“ und natürlich die Kompetenz, dass man auch selbst modellieren kann mit einer Simulationssprache, die System Dynamics unterstützt, um eigene kleine Modelle und Simulationen zu erstellen.

Welche Relevanz hat das Modul für die Wirtschaftswissenschaften?

Weil man viele von den bekannten Sachverhalten aus der Betriebswirtschaftslehre, zum Beispiel, dass Innovationsdiffusion wie eine S-Kurve verläuft, hier mit einer zusätzlichen Perspektive versieht – dieser dynamischen Perspektive – sodass man die Mechanismen dahinter verstehen und das Ganze auch simulieren kann. Simulieren ist ja auch etwas, was eine typische ingenieurwissenschaftliche Herangehensweise auf der anderen Seite ist. Und aus dieser Simulation kann man natürlich auch Erkenntnisse erzielen um zu sagen, „Hier ist der Zeitpunkt, wo ich eingreifen muss, sonst bin ich unrettbar verloren“ oder „Dieser Mechanismus funktioniert auf diese Art und Weise. Wenn ich es schaffe, hier einen Eingriff zu machen, dann habe ich bis hier noch die Chance, das ganze Systemverhalten umzudrehen“.

Also das sind spannende Fragestellungen, die man vielleicht schon kennt aus der betriebswirtschaftlichen Perspektive. Hier aber noch Mal mit einer zusätzlichen dynamischen und auch Struktur-Sichtweise, die erklärt, welche Mechanismen darunter liegen um daraus dann natürlich auch mögliche Eingriffe identifizieren zu können.

Werden fortgeschrittene Kenntnisse in Mathematik vorausgesetzt?

Nein, das Ganze ist auch machbar, ohne dass die Mathematikkenntnisse, sehr, sehr stark ausgeprägt sind. Ganz im Gegenteil – diese Methode wurde auch für Leute gemacht, die gar nicht so mathematikaffin sind.

Natürlich, jedes Simulationsmodell, was ich erstelle, hat zur Basis – anders geht es nicht – mathematische Gleichungen, aber die Art und Weise, wie man dort hinkommt, das ist eine Besondere hier bei der Methode System Dynamics und die macht es vom Vorgehen her so geeignet , dass man auch mit Leuten modelliert, die eigentlich nicht sehr mathematikaffin sind.

Möchten Sie noch etwas besonders hervorheben?

Das Beer Game, das ist ein tolles Spiel, bei dem man wirklich für sich selbst sehr unmittelbar erfahren kann, was eine solche Wertschöpfungskette eigentlich bedeutet und wie gut es ist, dass man eine Systemsicht hat und vielleicht seine eigene Position nicht so sehr stark abgrenzt, dass man sagt „Der böse Markt da draußen ist Schuld an allem Unglück, was mir widerfährt“.

Stattdessen steht am Ende die Erkenntniss „Ich trage selbst zu diesem Problem BEI, was sich mir hier am Ende darstellt“. Das Tolle ist, dass am Ende wirklich immer wieder das Chaos sehr groß ist und man sieht, dass eine vermeintlich einfache Lieferkette nicht gut zu beherrschen ist.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Professor Tilebein!