Startup im Fokus: Roomtailors
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v. l. n. r. Die Roomtailors Gründer: Michael Hilkert, Clemens Hildebrandt, Tobias Lange (Foto: Roomtailors)

Nach Feierabend saßen Tobias Lange und Clemens Hildebrandt zusammen und dachten nach. Sie waren bei Tobias zu Hause, mitten in einem Sammelsurium aus urwaldähnlichen Pflanzen, Requisiten aus früheren Wohnbeständen und Bergen aus Papier und Zeitschriften. Sie fragten sich, was wohl „Schöner Wohnen“ zur Einrichtung sagen würde. Zwar könnten sie selber das Niveau der Hochglanzseiten nicht erreichen, aber ein passenderes Gesamtbild würden sie schon selbst hinbekommen – und irgendwie müsste es dazu doch ein System geben. Sie weihten Michael Hilkert in ihre Gedanken und Ideen ein, der nach einer kurzen Bedenkzeit dem Vorhaben der beiden zustimmte. Welche Geschäftsidee die drei Gründer generierten, erfuhren wir in einem aufschlussreichen Interview.

Welche Geschäftsidee steckt hinter eurem Startup? Wann wurde es gegründet?

Wir sind gestartet mit Outfittery für Möbel, d.h. Nutzer konnten auf unserer Plattform ihren Stil rausfinden und anschließend ihren Raum durch uns planen lassen, indem sie uns ihren Grundriss zugeschickt haben. Wir haben das Zimmer geplant mit Positionierung der Möbel im Raum und passenden Produkten. Dazu hatten wir 20 Partner angeschlossen, von Ikea über Westwing bis XXXL, Home24 und Otto. Der Service war kostenlos, für jedes Möbelstück, das die Nutzer dann gekauft haben, haben wir eine Provision bekommen.

Ende 2016 haben wir gemerkt, dass das Modell so nicht profitabel ist, da es auch mit viel manuellem Aufwand verbunden war. Wir bieten nun nach wie vor einen Stilfinder an, allerdings passiert dies vollautomatisch, und das Ganze ist ein Tool, das Möbelshops auf ihrer Seite platzieren. Die Shops zahlen uns eine Adaptierungsgebühr auf ihr CI und Leadgebühren für jeden Shopkunden, der das Tool nutzt.

Wir haben vor ca. 5 Jahren angefangen, zusammen zu arbeiten. Damals hatten wir das Ganze neben unseren Jobs gemacht (2 bei Daimler, ein selbstständiger Innenarchitekt). Ende 2015 haben wir alle gekündigt, um uns ab Januar 2016 in Vollzeit dem zu widmen. Wir sind nach wie vor eine GbR, seit März 2016 haben wir eine Gewerbeanmeldung.

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Das innovative Tool führt den Kunden durch einen detaillierten Stilcheck. (Foto: Roomtailors)

Wie funktioniert der Service für den Kunden? Und wie teuer ist die Beratung?

Der Service für den Endnutzer ist nach wie vor kostenlos. Er geht auf einen Banner/ Call to Action auf der Webshop-Seite und dann öffnet sich ein interaktiver Fragebogen in einem Overlay. Am Ende der Fragen gibt er seine Email-Adresse an, um das Ergebnis zugeschickt zu bekommen und bekommt dann seine individuelle Auswertung angezeigt. Dabei ist das Ganze eine individuelle Kombinatorik, keine Auswahl aus 5 Optionen.

Woher bezieht ihr euer Sortiment?

Unser Sortiment heute entspricht dem Sortiment aus dem Shop, wo wir jeweils platziert sind.

Wie seid ihr auf eure Geschäftsidee gekommen?

Die ursprüngliche Idee von Roomtailors haben wir nüchtern aus verschiedenen anderen Ideen ausgewählt, die wir uns vorher ausgedacht haben. Uns hatte die Idee von Outfittery für Möbel gefallen, weil wir den Bedarf selber hatten, als wir neu umgezogen sind, und es viele gibt, die sich mit dem Thema nicht wirklich beschäftigen, und denen solche Entscheidungen schwer fallen.

Die neue Idee war eine Ableitung aus der ersten, nachdem wir mit Shops gesprochen haben und gemerkt haben, dass diese ein solches Konzept interessant finden. Als wir eine erste mündliche Zusage hatten, haben wir uns ganz auf das neue Modell konzentriert.

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Der Roomtailors Service ist auch als App auf dem Smartphone verfügbar. (Foto: Roomtailors)

Welche Zielgruppe sprecht ihr mit eurer Idee an? Seid ihr sowohl auf den B2C als auch auf den B2B Markt ausgerichtet?

Wir haben ein B2B2C Modell. Unsere Kunden sind die Möbelshops, also B2B, das Produkt selbst wendet sich aber an die Endkunden, also B2C. Das macht es etwas schwerer für uns, denn wir müssen beide Seiten gut kennen. Genauso überzeugen wir aber den B2B-Kunden, wenn wir seine Kunden wiederum kennen und verstehen.

Wie lautet euer USP?

Wenn man von einem USP überhaupt sprechen kann, dann ist es wohl die Erfahrung, die wir in der Übersetzung von Bildwelten in Kundenpräferenzen gemacht haben. Aber mal ehrlich: wenn eine Firma mit viel Geld kommt und das gleiche machen will, dann sehen wir schnell klein aus. Unsere Lösung ist wesentlich günstiger als eine Neuentwicklung – möchte dies ein Shop also einsetzen, insbesondere um es erstmal zu pilotieren, ist er mit unserem Produkt gut bedient.

Welche möglichen Schwierigkeiten gab es beim Aufbau eures Startups?

Eine Schwierigkeit war definitiv das richtige Geschäftsmodell zu finden, das eine echte Nachfrage im Markt generiert und mittelfristig die Perspektive hat, wirtschaftlich rentabel zu werden. Wir haben viele verschiedene Modelle entwickelt, untersucht, getestet und dann wieder verworfen. Unser jetziges Modell ist vielleicht nicht mehr ganz so sexy wie das ursprüngliche und klingt banal, zumindest merken wir aber, dass es dafür Bedarfe im Markt gibt. Von hier aus können wir uns so weiterentwickeln, sodass wir unsere Kunden noch besser verstehen können und die Lösung weiter darauf ausbauen.

Arbeitet ihr in eurem Startup nebenberuflich oder hauptberuflich?

Seit 2016 hauptberuflich. Der nebenberufliche Übergang über mehrere Jahre war sicherlich gut, um nicht bei 0 zu starten. Damit es erstmal läuft vergeht sehr viel Zeit, das unterschätzt man gerne, vor allem wenn man noch keine einschlägige Erfahrung als Gründer vorher hatte (es sei denn man hat viel Glück und es läuft von vorneherein alles glatt). Gegen Ende dieser Zwitterlösung war es aber dann Zeit sich zu entscheiden. Wir hatten den Eindruck, wir arbeiten viel (nach der Arbeit abends und am Wochenende), im Endeffekt ist aber unser Unternehmen nur sehr langsam gewachsen und der Markt hat uns links und rechts überholt. Das war etwas frustrierend.

Wie viele Personen seid ihr aktuell im Team?

Wir sind nach wie vor 3 Gründer. Bis Ende Februar diesen Jahres hatten wir über ein Jahr das Exist Gründerstipendium vom Bund. Mit den Sachinvestitionen konnten wir uns Unterstützung von Werkstudenten, freien Mitarbeitern und Bacheloranden/ Praktikanten leisten. Zu Hochzeiten waren wir 10 Leute, das war sehr cool.

Welche Botschaft möchtet ihr Neugründern auf den Weg geben?

Das wichtigste ist der Spaß an der Sache. Und man muss auch daran denken: Wenn man ein Unternehmen gründet, trägt man dafür Verantwortung. Und um eine verantwortungsvolle Position in einem Konzern zu erlangen muss man auch hart arbeiten, das fällt einem ebenso wenig in den Schoß.

Welche Ziele habt ihr euch für die Zukunft eures Geschäftsmodells gesetzt?

Wir wollen in erster Linie mal einen konstanten Umsatzfluss erreichen, wachsen und dafür sorgen, dass wir uns endlich selbst tragen können, da unsere Finanzierung vor ein paar Wochen ausgelaufen ist. Für das Geschäftsmodell gibt es gerade eine Reihe von Unsicherheiten, die wir zunächst lösen müssen. Ziel ist aber, das Produkt so zu entwickeln, dass wir es leicht reproduzieren, adaptieren und in die Masse tragen können. Dazu haben wir noch ein paar Aufgaben vor uns.

Vielen Dank liebe Roomtailors für das Interview!

Weitere Informationen zu Roomtailors finden Sie unter https://www.roomtailors.de

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