Gründungsstipendium EXIST kompakt vorgestellt

Gründungsstipendium EXIST kompakt vorgestellt

Die meisten, die etwas mit Startups zu tun haben, haben sicherlich schon mal von EXIST Gründungsstipendium gehört. Doch was genau verbirgt sich hinter der Förderungsmaßnahme? Tim Kucklies hat mit Johanna Kutter vom Startup Center der Hochschule der Medien ein Interview rund um das EXIST-Programm geführt. Erfahren Sie im Interview, wie Teams an Hochschulen oder Forschungseinrichtungen ein Gründungsvorhaben vorantreiben können.

Was genau ist EXIST?

„Das EXIST-Gründerstipendium unterstützt Teams, die an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung ein Gründungsvorhaben vorantreiben möchten. Dabei sollte es sich um innovative technologieorientierte oder wissensbasierte Gründungsvorhaben mit signifikantem Alleinstellungsmerkmal und guten wirtschaftlichen Erfolgsaussichten handeln. Daneben gibt es auch noch das EXIST-Forschungstransfer-Programm. Dieses eignet sich für Entwicklungsvorhaben, die noch einen größeren Forschungsanteil beinhalten, bis sie Richtung Marktreife gehen können.“

An wen richtet sich EXIST?

„Das EXIST-Gründerstipendium richtet sich in erster Linie an Absolvent:innen einer Hochschule, deren Abschluss maximal 5 Jahre zurückliegt. Genauso können sich Wissenschaftler:innen und ehemalige wissenschaftlicher Mitarbeiter:innen bewerben. Es werden maximal 3 Personen pro Vorhaben mit einem Stipendium gefördert. Es gibt insgesamt viele Ausnahmeregelungen bei diesen formalen Antragskriterien (z.B. Studierende oder Teammitglieder mit qualifizierender Berufsausbildung). Bei Zweifeln, ob man als Team antragsberechtigt ist, am besten beim Gründungsnetzwerk der eigenen Hochschule eine Erstberatung anfordern. In Stuttgart ist das zum Beispiel https://startupcampus0711.de/beratung/ ganz wichtig: Nehmt ca. 6 Monate vor euerm gewünschten Förderbeginn den Kontakt zu den Hochschul-Gründungsberater:innen auf, da die Erstellung und Begutachtung des Antrags meistens viel länger dauert, als gedacht.“

Welche Voraussetzungen muss man für eine EXIST-Förderung mitbringen?

„Neben den formalen Kriterien, müssen auf das Vorhaben drei wichtige Dinge zutreffen. Erstens muss es sich um eine Innovationhandeln, wobei es nicht zwingend eine Produkt- oder Prozessinnovation in technologischer Hinsicht sein muss. Auch Geschäftsmodell- und Serviceinnovationen haben durchaus Chancen. Wichtig ist, dass es sich entscheidend vom aktuellen „Stand der Technik“ abhebt sowie über ein signifikantes Alleinstellungsmerkmal verfügt. Zwingend notwendig ist auch der wissenschaftliche Ursprung der Idee. Da es sich bei EXIST um ein Hochschul-Ausgründungsprogramm handelt sollte die Idee aus der wissenschaftlichen Auseinandersetzung (z.B. im Rahmen einer Abschlussarbeit, einer Forschungsarbeit, eines Studienschwerpunkts, einer Promotion, etc.) entstanden sein. Zweitens muss das Teamüberzeugen: Im geförderten Team müssen alle Kernkompetenzen verankert sein, die für das Vorhaben notwendig sind. Neben den technisch-fachlichen Fähigkeiten braucht es auch Projektmanagement/BWL- und Branchen-Kenntnisse. Teams, die sich schon länger kennen und erprobt haben, dass sie gut zusammenarbeiten können, haben die besseren Chancen. Und drittens muss ein relevantes Marktpotentialvorhanden sein, das wirtschaftliche Erfolgsaussichten verspricht. Es kommt hier also darauf an, dass man gut darstellt, wie die Idee auf lange Sicht rentabel am Markt existieren kann. Um ein Gefühl zu kriegen, welche Vorhaben gefördert werden, kann man sich gut durch die News und Vorhabenslisten auf der EXIST-Seite klicken. Ich empfehle allen, die eine Antragsstellung in Erwägung ziehen, sich folgenden Artikel durchzulesen.“

Welche Geschäftsmodelle kommen bei EXIST in Frage?

„Ein wesentlicher Faktor ist, dass das Geschäftsmodell skalierbar ist und die wirtschaftliche Basis für ein wachsendes Unternehmen hergeben kann. Das kann durchaus auch ein Geschäftsmodell mit sozialem Mehrwert sein, das schließt sich absolut nicht aus. Ein schönes aktuelles Beispiel an der HdM hierfür ist zum Beispiel Voto. Der Status der Geschäftsmodellentwicklung ist auch wichtig für die Einschätzung, ob eine Antragsstellung Sinn macht: Beim EXIST-Gründerstipendium sollte schon der „Product-Solution-Fit“ vorliegen, das heißt, dass schon ein Prototyp existieren muss und Pilotkunden/-partner in sogenannten Letter of Intents ihr Interesse an dem Produkt bekundet haben sollen.“

Was beinhaltet die EXIST-Förderung?

„Das EXIST-Gründerstipendium ist sozusagen der Rolls-Royce der staatlichen Förderprogramme für Gründer:innen. Es gibt je nach Vorhaben ca. 120.000€ für eine Teamgründung vom Bundeswirtschaftsministerium. Bis zu 3 Personen erhalten ein monatliches Stipendium (die Höhe ist abhängig vom Status der Person), Sach- und Coachingmittel von bis zu 35.000€ sowie ganz viel Support seitens der Hochschule, z.B. begleitet sie ein:e Mentor:in aus der Professorenschaft sowie ein:e Ansprechpartner:in aus dem Gründernetzwerk der Hochschule, man hat Anspruch auf Räume, Infrastruktur, etc.“

Gibt es Verpflichtungen, die durch eine EXIST-Förderung entstehen?

„Laut Stipendiatenvertrag verpflichtet man sich zur Erfüllung einiger Meilensteine (z.B. Zwischenstandspräsentation, Business Plan Erstellung) und dem Einhalten einiger Regelungen (z.B. keine Nebentätigkeit, etc.). Viel wichtiger als diese Verpflichtungen „auf dem Papier“ ist aber die intrinsische Motivation, dass man sich voll und ganz seinem Vorhaben widmet und den staatlichen Support nutzt, um entschieden voranzukommen, denn ein Jahr ist schnell vorbei. Natürlich beinhaltet jede Gründungsreise ein oder mehrere Kurswechsel (Pivots). Das ist völlig in Ordnung und führt nicht zum Abbruch des Vorhabens. Im besten Falle schafft man innerhalb dieses ersten Jahres, dass das Vorhaben so reift, dass es einen relevanten „Proof“ am Markt einfährt und für eine Anschlussfinanzierung in Frage kommt (z.B. über Business Angels, Pilotkundenaufträge, Venture Fonds oder weiterführende Förderprogramme).  Darüber hinaus hat vermutlich jede Hochschule eine unterschiedliche Erwartungshaltung an ihre EXIST-Teams. Wir an der HdM bieten beispielsweise unseren Stipendiat:innen ein Begleitprogramm mit Input- und Vernetzungsveranstaltungen an und legen die Teilnahme an einem weiterführenden Accelerator-Programm sehr ans Herz. Ebenso freuen wir uns darüber, wenn sich aktive und ehemalige Stipendiat:innen für die Nachkommer engagieren und uns im Bereich der Sensibilisierung für das Thema Gründung an der Hochschule unterstützen.“

Einen herzlichen Dank an Johanna Kutter und Tim Kucklies für das Interview!

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